Heilen lernen · Was du lernst

Handauflegen, ohne Energie zu übertragen

Die Übung, um die sich der zweite Teil des Workshops dreht. Du gibst nichts, du bleibst bei dir und bist da. Wer liegt, darf jederzeit Stopp sagen.

Heilen lernen · Handauflegen

Beim Handauflegen gibst du nichts. Du bleibst bei dir, bist für den anderen da und schaust zu.

Von aussen sieht es aus, als würde jemand etwas für den Menschen auf der Liege tun. Es ist das Gegenteil davon. Dein Fokus liegt mehr bei dir als bei dem Menschen, der liegt. Genau das macht sie schwierig, und genau darum übst du sie.

keineEnergie wird gegeben oder genommen
1 Handbleibt immer auf dem Körper
keine festeDauer, mal kürzer, mal länger
jederzeitdarf, wer liegt, Stopp sagen

Worum es bei dieser Übung geht

Die meisten Menschen, die zum ersten Mal einem anderen die Hand auflegen, wollen helfen. Sie wollen etwas bewirken, etwas wegmachen, etwas schicken. Darum sage ich vor der Übung jedes Mal dasselbe:

Ricos Wortlaut

Es geht nicht darum, dass ihr helft, sondern dass ihr nur da seid, bei euch bleibt, für denjenigen da seid, der liegt und beobachtet. Wenn ihr das sauber macht, wird viel mehr passieren, als ihr denkt. Und der Fokus muss immer mehr bei euch sein, als bei demjenigen, der liegt.

Rico Brunner, Workshop

Das ist die Umkehrung dessen, was man erwartet. Im Mittelpunkt deiner Aufmerksamkeit steht nicht der andere, sondern du selbst. Nur so kannst du ganz da sein, ohne dich zu verlieren. Du berührst den Körper, aber du vermischst deine Energie nicht mit seiner. Körperlich darfst du anfassen, energetisch nur anschauen.

So läuft die Übung ab

Wir beginnen nicht gleich an einem Menschen. Zuerst legst du die Hände auf eine leere Liege und übst, dabei bei dir zu bleiben. Erst dann kommt ein Mensch dazu. Das Prinzip bleibt dasselbe, nur liegt jetzt jemand da.

An der leeren LiegeDu legst die Hände auf und bleibst bei dir. Niemand liegt da, nichts lenkt dich ab.
Zu zweitEiner legt sich hin, der andere steht daneben. Wer nicht mag, setzt sich auf die Seite.
Gegenseitig achtgebenWer liegt, achtet darauf, ob der andere Energie gibt. Wer steht, achtet darauf, keine zu nehmen.
Hände wechselnAb und zu wechselst du die Stelle. Eine Hand bleibt dabei immer auf dem Körper.
ErzählenZum Schluss erzählt ihr, wie es war. Was der eine spürt, muss der andere nicht spüren.

Dass der Mensch auf der Liege mitprüft, hat einen Grund. Es erhöht den Druck, bei dir zu bleiben. Du kannst die Augen dabei offen haben oder schliessen. Die Augen sehen das Energiefeld ohnehin nicht.

Warum dein Blick beim Ganzen bleibt

Je nachdem, wo du die Hand hinlegst, nimmst du anderes wahr, manchmal auch eine verletzte Stelle. Die Versuchung ist gross, sich genau darauf zu konzentrieren. Wer das tut, macht den Menschen klein, auf diese eine Stelle. Deine Aufmerksamkeit vergrössert dann gerade das, worauf sie liegt. Bleibst du bei dir und siehst den Menschen als Ganzes, gehört die Stelle dazu, ohne dass sie alles bestimmt.

Aktiv etwas tun zu wollen, ist dabei die grösste Falle.

Ricos Wortlaut

Und das aktive Tun ist so, dass, wie wenn man gekocht hat und jemand kommt und sagt: … Ich nehme noch ein bisschen Salz, ein bisschen das, das. Man zerstört das Menü.

Rico Brunner, Workshop
Dein Fokusmehr bei dirWer liegtbleibt ein GanzesBegegnungkeine Übertragung
Deine Aufmerksamkeit bleibt zum grösseren Teil bei dir. Zwischen euch entsteht eine Begegnung, aber nichts geht hinüber. Schematisch.

Was zwischen euch entsteht

Wenn zwei Menschen sich begegnen, wirken sie aufeinander. Das ist auch beim Handauflegen so. Eine Übertragung ist es trotzdem nicht.

Ricos Wortlaut

Es gibt, wenn man Hand auflegt, eine Wechselwirkung, weil es eine Begegnung ist, aber die hat miteinander nichts zu tun. Das ist, wie wenn ich rausgehe und die Sonne wärmt mich, hat das mit der Sonne nichts zu tun.

Rico Brunner, Workshop

Was du spürst, sagt wenig

Viele erleben beim Handauflegen etwas: Wärme, Kühle, ein Fliessen, Müdigkeit. Daraus lässt sich wenig ablesen. Was der Mensch an der Liege spürt und was der Mensch auf der Liege spürt, kann sich ganz unterscheiden. Ich habe manchmal brennend heisse Hände, und wer liegt, empfindet sie als kühl. Manchmal denke ich, es sei kaum etwas geschehen, und mein Gegenüber erlebt es ganz anders.

Darum koppelst du deine Empfindung nicht an das, was beim anderen geschieht. Beobachte, ohne zu bewerten. Wenn du merkst, dass du über das Spüren aus dir herausgefallen bist, kehrst du einfach zu dir zurück.

Die Regeln der Berührung

Die Hände liegen an Stellen, die für alle angenehm sind: auf der Stirn, am Scheitel, am Bauch, an den Knien, an den Füssen. Auch an den Armen ist es möglich. Den Brustbereich lässt du aus, bei allen Menschen.

nicht im BrustbereichScheitelStirnBauchKnieFüsse
Wo die Hände im Workshop liegen. Wenn du die Stelle wechselst, bleibt eine Hand auf dem Körper. Schematisch.

Wechselst du die Stelle, lässt du eine Hand immer auf dem Körper. Wer mit geschlossenen Augen liegt, weiss so jederzeit, wo du bist. Nimmst du beide Hände weg und tauchst plötzlich bei den Füssen auf, erschrickt er. Mit einer Hand auf dem Körper entsteht Vertrauen.

Die wichtigste Regel gilt für beide Seiten:

Ricos Wortlaut

Was wichtig ist, wenn jemand liegt und es sich unwohl fühlt, dann darf man unkompliziert Stopp sagen und aufsitzen. Es muss niemand mit jemandem arbeiten, wo er nicht will. Das müssen wir auch nicht persönlich nehmen. Und niemand muss etwas machen, was er nicht will.

Rico Brunner, Workshop

Wir sind alle erwachsen und können sagen, was wir wollen. Und die Übung darf auch Spass machen.

Wie lange die Hand liegt

Eine feste Dauer gibt es nicht. Manchmal sind es fünf Minuten, manchmal zwanzig. Wer bei allen immer gleich lange auflegt, überfordert manche. Ein sehr nervöser Mensch möchte vielleicht schon nach einer Minute losgelassen werden. Dann hörst du früher auf. Viele erwarten eine halbe Stunde. Entscheidend ist nicht die Zeit, sondern was der Mensch auf der Liege gerade aufnehmen kann.

Was ich selbst dabei tue

Auch nach so vielen Jahren gebe ich mir beim Handauflegen jedes Mal Mühe, bei mir zu bleiben. Ich mache es nicht nach dem Motto «Ich kann das». Danach frage ich mich jedes Mal, ob ich wirklich bei mir geblieben bin. Diese kleine Kontrolle hat sich für mich sehr bewährt, und ich empfehle sie dir auch.

Am meisten gelernt habe ich in den Jahren, in denen ich nur beobachtet habe. Wer den Mut hat zu beobachten, statt zu handeln, versteht mehr.

Wem diese Übung etwas gibt

Wer gerade selbst wenig Boden unter den Füssen hat, lernt an der Liege, dass er nichts geben muss, um für jemanden da zu sein. Wer halten will, was er erreicht hat, übt, auch in der Nähe eines anderen Menschen bei sich zu bleiben. Und wer sich weiterentwickeln und vielleicht einmal mit anderen arbeiten will, übt hier die Grundlage dafür. Warum dabei nichts übertragen wird, steht unter Drei Arten, mit Energie zu helfen.

Fragen, die oft kommen

Muss ich etwas tun, wenn ich liege?
Nein. Du darfst einfach liegen und bei dir sein. Wenn du magst, achtest du darauf, ob der andere Energie gibt. Und wenn dir nicht wohl ist, sagst du Stopp.
Nehme ich etwas vom anderen auf?
Wenn du bei dir bleibst und nichts geben willst, entsteht eine Begegnung, keine Übertragung. Woran du merkst, dass du deine Grenze überschreitest, steht unter Woran du deine eigene Grenze erkennst.
Was, wenn ich mich nicht berühren lassen will?
Dann setzt du dich auf die Seite. Niemand muss mitmachen, und niemand nimmt es persönlich.
Ich habe nichts gespürt. Habe ich es falsch gemacht?
Nein. Was du spürst, sagt wenig darüber, was geschieht. Es geht ums Üben, nicht ums Spüren. Mehr unter Wenn du nichts wahrnimmst.
Warum soll mein Fokus bei mir sein und nicht beim anderen?
Weil du nur so bei dir bleibst. Wer sich ganz auf den anderen richtet, verliert sich und fängt an, etwas tun zu wollen.

Kennung handauflegen · Version 1.0 · 23.10.2026