Wahrnehmen lernen · Was du lernst
Unterscheiden lernen
Der Kern beider Workshops. Nicht ob du wahrnimmst, ist die Frage, sondern woher eine Wahrnehmung kommt und was sie genau sagt. Unterscheiden heisst weiterfragen, eine Abzweigung nach der anderen.
Wahrnehmen lernen · der Kern
«Ich spüre, du bist glücklich» sagt noch wenig. Unterscheiden heisst weiterfragen, bis klar ist, woher es kommt und was es genau sagt.
Jede Antwort bestimmt die nächste Frage. Darum braucht Unterscheiden Zeit. Und es lässt sich üben.
Vertrauen oder prüfen?
In einem Workshop sagte mir eine Teilnehmerin, sie traue ihrer Wahrnehmung nicht. Sobald sie etwas wahrnehme, komme das Gefühl, sie bilde sich alles nur ein.
Ricos Wortlaut
also wenn du mich jetzt fragen würdest, vertraue ich meiner Wahrnehmung? Nein. Ich vertraue meiner Wahrnehmung Nicht, weil ich kontrolliere sie die ganze Zeit.
Rico Brunner, Workshop
Ich habe ihr gesagt, dass das ein guter Anfang ist. Wer seine Wahrnehmung hinterfragt, hat das Wichtigste schon getan. Es geht darum, trotzdem weiterzuüben, so lange, bis du merkst, ob das, was du siehst, stimmt oder nicht. Dann verschwindet das Gefühl der Einbildung von selbst.
Dieses Gefühl ist übrigens keine Prüfung. Es ist Überforderung, weil du es noch zu wenig kannst. Es sagt nichts darüber, ob deine Wahrnehmung richtig oder falsch war.
Sechs Fragen, woher eine Regung kommt
Wenn sich in mir etwas regt, frage ich mich, woher es kommt. Ist es etwas, das mir jemand eingeredet hat? Wünsche ich es mir? Stelle ich es mir vor? Denke ich es? Spüre ich es? Oder nehme ich es wahr?
Diese Unterscheidung gelingt nur mit Übung. Am Anfang habe ich mir vor allem eine einzige dieser Fragen gestellt. Du kannst sie heute schon ausprobieren.
Ricos Wortlaut
Das habe ich bei mir am Anfang gemacht, indem ich immer gefragt habe: Ist es jetzt mein Wunsch oder passt das zu ihm?
Rico Brunner, Workshop
Die Prüfung ist kein Misstrauen. Sie ist der Grund, warum ich meiner Wahrnehmung folgen kann. Ob du dabei «sehen» sagst oder «spüren», spielt keine Rolle. Die einen sagen so, die anderen anders.
Die erste Frage bei jedem Blick in ein Feld
Wenn ich in ein Energiefeld schaue und etwas sehe, stelle ich zuerst eine Frage: Hat der Mensch das selbst verursacht, oder ist es von aussen gekommen? Im Workshop üben wir das am Glück. Ist jemand glücklich, weil er gelernt hat, glücklich zu sein? Oder weil er gerade verliebt ist? Im zweiten Fall hängt das Glück an etwas, das wieder vergehen kann.
Mit Schuld hat diese Frage nichts zu tun. Sie fragt nach der Herkunft, nicht nach einem Urteil. Für sie gilt eine strenge Regel:
Ricos Wortlaut
Und wenn ich nicht sicher bin, ist es eigen-oder fremdverschulden, dann darf ich die nächste Frage nicht stellen. Weil sonst kann ich Kopf oder Zahl machen.
Rico Brunner, Workshop
Eine Frage auf einer offenen Abzweigung ergibt eine Antwort, die wie ein Ergebnis aussieht und doch nur ein Münzwurf ist. Wie die Übung dazu abläuft, steht unter Was im Workshop geübt wird.
Warum jede Antwort bestimmt, was du danach noch siehst
Jede Frage hat zwei Ausgänge. Bei drei Fragen sind es acht mögliche Wege. Bei zehn Ja-Nein-Schritten sind es über tausend, bei zwanzig über eine Million.
Diese Zahlen klingen erdrückend. Du musst aber nicht alle Wege sehen. Du musst nur erkennen, welche Abzweigung gerade die richtige ist. Darauf konzentrierst du dich, Schritt für Schritt.
Wer früh falsch abbiegt, kann später noch korrigieren. Eine bestimmte Erkenntnis erreicht er auf diesem Weg aber nicht mehr. Darum nehmen wir uns in den Übungen Zeit und lassen verschiedene Möglichkeiten zu, bevor wir uns festlegen.
Fragen, die weiterführen
Bleib nicht bei der ersten Erklärung stehen. Vier Fragen helfen dabei: Warum ist das so? Wie wirkt es sich aus? Ist es wirklich ein Problem? Gibt es noch andere Gründe dafür?
Oft heisst Unterscheiden auch ausschliessen. Ein Beispiel: Vor einer Reise ist da eine Angst. Ist es die Reise selbst? Du spürst nach und merkst, dass es nicht die Reise ist. Du fragst weiter und findest die Sorge um jemanden, der zurückbleibt. Auch das braucht Übung, bis es gelingt.
Was du siehst und was du nur annimmst
Ricos Wortlaut
Und Die grösste Gefahr im energetischen Arbeiten ist, dass man Annahmen trifft.
Rico Brunner, Workshop
Wenn ich eine Wand anschaue, frage ich mich nicht, ob sie aus Holz ist. Entweder sehe ich, dass sie aus Holz ist. Oder ich sage: keine Ahnung, es könnte auch etwas anderes sein. Dann spekuliere ich nicht. Was zwischen diesen beiden liegt, ist die Annahme: eine Ergänzung, die gut passt, aber nicht gesehen ist.
Annahme
- füllt eine Lücke mit etwas, das passt
- kommt aus Erwartung, Wunsch oder einer Lehre
- sieht aus wie ein Ergebnis
Befund
- «ich sehe es», oder ehrlich «keine Ahnung»
- darf offen bleiben und warten
- wird geprüft, bevor die nächste Frage kommt
Es gibt noch eine dritte Möglichkeit. Eine Wahrnehmung, die du nicht verstehst, darfst du stehen lassen. Du erklärst sie nicht für falsch, sondern nimmst sie dir später noch einmal vor. Dafür braucht es Mut. Ich hatte selbst eine Zeit, in der ich so viel wahrnahm, dass ich mich fragte, ob ich spinne. Ich habe diese Frage nach hinten verschoben, bis ich genug verstand, um sie beantworten zu können.
Wann es genug ist
Unterscheiden kann auch zu weit gehen. Wer immer weiterfragt, baut sich irgendwann eine grosse Geschichte und verläuft sich darin. Oft ist die Lösung einfacher. Und wer jeden Menschen nach demselben Schema durchgeht, bekommt falsche Ergebnisse, weil jeder Mensch anders ist.
Bei mir läuft das Unterscheiden heute schnell und fast von selbst, weil ich es gelernt und sehr oft geübt habe.
Wo auch immer du gerade stehst
Wenn vieles auf dich einströmt, hilft die Frage «Ist das meins oder gehört es zum anderen?», etwas Ordnung hineinzubringen. Willst du halten, was du für dich gefunden hast, schützt dich das Unterscheiden davor, einer schnellen Annahme zu folgen. Und wenn du dich weiterentwickeln willst, ist es das Werkzeug, mit dem du genauer fragst. Ein Mensch kann in der Familie, in einer Beziehung und im Beruf an verschiedenen Orten stehen. Die Fragen bleiben dieselben.
Fragen, die oft kommen
- Woher weiss ich, ob ich mir das nur einbilde?
- Am Anfang gar nicht sicher, und das ist in Ordnung. Das Gefühl der Einbildung ist Überforderung aus zu wenig Übung. Es wird weniger, wenn du übst und im Nachhinein prüfst. Mehr unter Was im Workshop geübt wird.
- Kann ich meiner Wahrnehmung trauen?
- Ich traue meiner nicht blind, ich prüfe sie laufend. Gerade deshalb kann ich mit ihr arbeiten.
- Heisst «selbst verursacht», dass jemand schuld ist?
- Nein. Die Frage meint die Herkunft, nicht ein Urteil. Sie entscheidet nur, welche Frage als nächste kommt.
- Muss ich alle Möglichkeiten im Kopf behalten?
- Nein. Es reicht, an jeder Stelle die richtige Abzweigung zu erkennen. Was du siehst, schreibst du auf, damit dein Kopf frei bleibt.
- Was mache ich, wenn ich keine Antwort finde?
- Dann sagst du «keine Ahnung» und lässt es stehen. Das ist ein ehrliches Ergebnis. Eine Annahme an seiner Stelle wäre keines.
- Ist Unterscheiden eine Begabung?
- Es ist zum grössten Teil gelernt. Mehr unter Ein Handwerk, keine Gabe.
Was das Unterscheiden am häufigsten stört, steht unter Warum auch gute Wahrnehmung sich irren kann. Wie es im Workshop geübt wird, steht unter Was im Workshop geübt wird.