Wahrnehmen lernen · Was du lernst

Wann du sagst, was du wahrnimmst

Was du wahrnimmst, musst du nicht sofort sagen. Und wenn du es sagst, dann so viel, wie den anderen weiterbringt. Schweigen, mitteilen und dosieren, im Workshop und danach.

Wahrnehmen lernen · mit anderen

Was du wahrnimmst, musst du nicht sofort sagen. Und wenn du es sagst, dann so viel, wie der andere aufnehmen kann.

Im Workshop gibt es dafür drei Phasen. Am ersten Tag schweigst du, am zweiten teilst du mit, und für jedes Gespräch danach gilt: dosieren.

Tag 1behältst du für dich, was du wahrnimmst
Tag 2teilst du es zu drei Fragen mit
7 bis 10 Jahrehabe ich gebraucht, um gut formulieren zu lernen
lieber zu wenigals zu viel, denn Gesagtes bleibt gesagt

Warum du am ersten Tag für dich behältst, was du wahrnimmst

In den Übungen zu zweit schreibst du auf, was du beim Gegenüber wahrnimmst. Sagen darfst du es ihm am ersten Tag nicht. Es geht in dieser Phase nur um deine Wahrnehmung, nicht darum, den anderen zu beraten.

Das ist ungewohnt. Viele möchten sofort erzählen, was sie gesehen haben. Das auszuhalten, gehört zu dem, was du hier lernst. Ich habe in einem Vortrag einmal gesagt: Schweigen ist Gold.

Ricos Wortlaut

Das heisst, je weniger man von dem, was man gesehen, erzählen tut, desto mehr Übersicht hat man. Je mehr man erzählt, desto mehr löst das Überforderung aus, bei einem selber und auch beim Gegenüber.

Rico Brunner
Erster TagSchweigenaufschreiben und aushalten,nichts davon sagen Zweiter TagMitteilenzu drei Fragen sagen, was duwahrnimmst, Rückmeldung holen DanachDosierensagen, was weiterbringt,und hinschauen, wie es ankommt
Drei Phasen, drei Regeln. Das Schweigen gilt für die Übungen des ersten Tages, nicht für alles danach. Schematisch.

Was am zweiten Tag zurückkommt

Am zweiten Tag gehen wir ein Energiefeld von oben nach unten durch und stellen drei Fragen dazu. Jetzt dürfen die anderen dem Gegenüber sagen, was sie bei diesen drei Punkten wahrgenommen haben. Dann hören wir, was das Gegenüber dazu sagt. Wie die drei Fragen lauten, steht unter Was im Workshop geübt wird.

Wie viel Wahrheit ein Mensch tragen kann

Mit dieser Frage schliesse ich den Workshop. Sie gilt für jedes Gespräch, in dem du etwas von dem sagst, was du wahrnimmst.

Von dem, was ich in einem Feld sehe, sage ich nur einen Bruchteil. Die volle Wahrheit auf einmal hat nichts mit Lügen zu tun. Sie kann aber überfordern, und dann nützt sie niemandem. Darum frage ich mich vorher: Welche Information bringt diesen Menschen weiter? Und wie kommt sie bei ihm an?

Ein Kind von zwei Jahren, das nach dem Weihnachtsmann fragt, bekommt eine andere Antwort als eines mit vierzehn. Beide Antworten sind ehrlich. Sie passen zu dem, wo das Kind gerade steht.

Beim Sprechen hinschauen

Was ich sage, wähle ich nicht nur vorher aus. Ich schaue auch während des Sprechens hin.

Ricos Wortlaut

währenddem ich Dinge erzähle, schaue ich immer, wie ist die Reaktion? Kann er gut damit umgehen oder wird er überfordert? Und wenn der überfordert wird, dann höre ich auf, zu erzählen.

Rico Brunner, Workshop
Auswählenwas bringt ihn weiter? Leicht beginnenwenn du unsicher bist Hinschauenwie ist die Reaktion? Weiterer kann gut damit umgehen Aufhörenes wird zu viel
Mitteilen als Schleife. Ob es weitergeht, entscheidet die Reaktion des anderen, nicht das, was du noch sagen könntest. Schematisch.

Bin ich unsicher, wie jemand etwas aufnimmt, beginne ich mit einer leichten Fassung. Fragt er nach, gehen wir weiter.

Lieber zu wenig als zu viel

Was zu wenig war, kannst du nachholen. Was zu viel war, nicht. Das gesprochene Wort lässt sich nicht zurücknehmen. Und wenn du noch gar nicht weisst, was du wahrnimmst, gilt eine einfache Regel:

Ricos Wortlaut

Wenn du es noch nicht weisst, dann mach noch nichts.

Rico Brunner, Workshop

Bleib in der Unsicherheit lieber zurückhaltend und beobachte weiter. Wer zurückhaltend bleibt und beobachtet, kommt nach meiner Erfahrung weiter.

Wessen Massstab gilt

Was für den einen Menschen stimmt, kann für den nächsten falsch sein. Ich gebe den ganzen Tag Ratschläge, die einander widersprechen, weil jeder Mensch anders ist.

Ricos Wortlaut

Aus meiner Sicht gelten die Massstäbe des Gegenübers. Weil man sonst in der Verurteilung drin und der Beurteilung drin ist. Und dann kann man nur Menschen beraten, die gleich sind, wie man selber ist.

Rico Brunner, Workshop

Merkst du, dass du jemandem einen Rat gibst, den du selbst befolgen würdest, prüf ihn ein zweites Mal. Mehr dazu unter Warum auch gute Wahrnehmung sich irren kann.

Wie ich das selbst gelernt habe

Ich habe das nicht von Anfang an gekonnt. Am Anfang habe ich Menschen, die zu mir kamen, mit Informationen überfordert. Im Nachhinein hat das niemandem genützt. Darum habe ich früh begonnen, jede Sitzung für mich auseinanderzunehmen. Habe ich verstanden, was los war? Habe ich es gut gesagt? Wenn nein, warum nicht? Bis ich so formulieren konnte, wie ich es heute tue, hat es sieben bis zehn Jahre gedauert. Du musst diesen Weg nicht gleich lang gehen. Er zeigt nur, wie viel in der Frage steckt, was du sagst und was nicht.

Wo auch immer du gerade stehst

Steckst du gerade in einer schweren Zeit, weisst du vielleicht, wie viel ein einzelner Satz auslösen kann. Wer halten will, was er für sich gefunden hat, nimmt daraus eine Regel für den Alltag mit: erst hinschauen, dann sprechen. Und wer sich weiterentwickeln und vielleicht einmal mit anderen arbeiten will, braucht diese Sorgfalt in jedem Gespräch. Ein Mensch kann in der Familie, in einer Beziehung und im Beruf an verschiedenen Orten stehen, und jedes Mal stellt sich die Frage neu.

Fragen, die oft kommen

Soll ich jemandem sagen, was ich bei ihm wahrnehme?
Nicht ungefragt und nicht alles. Frag dich zuerst, ob es ihn weiterbringt und ob er es gerade aufnehmen kann. Beim Erzählen schaust du, wie er reagiert.
Ist es nicht unehrlich, etwas zu verschweigen?
Nein. Die volle Wahrheit auf einmal hat nichts mit Lügen zu tun, sie kann aber überfordern. Du sagst nichts Falsches. Du wählst aus und wählst den Zeitpunkt.
Warum darf ich am ersten Tag nichts sagen?
Weil es an diesem Tag nur um deine Wahrnehmung geht. Das Aushalten gehört zum Lernen, und je weniger du erzählst, desto mehr Übersicht behältst du.
Was, wenn ich unsicher bin, ob ich richtig wahrgenommen habe?
Dann sag lieber nichts und beobachte weiter. Was du noch nicht weisst, musst du auch nicht mitteilen.
Und wenn mein Gegenüber ganz andere Werte hat als ich?
Dann gelten seine. Sonst urteilst du, und dein Rat passt nur zu Menschen, die so sind wie du.

Zurück zum Überblick über den Workshop geht es unter Der Workshop «Wahrnehmen lernen».

Kennung mitteilen · Version 1.0 · 23.10.2026