Wahrnehmen lernen · Was du lernst
Was Intuition ist
Intuition ist eine Art, Eindrücke zu deuten, neben dem Verstand. Sie beginnt dort, wo du benennen und unterscheiden kannst, was du wahrnimmst. Und sie ist etwas sehr Bodenständiges.
Wahrnehmen lernen · Grundlage
Intuition ist für mich nichts, das man einfach empfängt. Sie benennt, sie unterscheidet, und sie fragt nach, wenn etwas nicht stimmt.
Damit ist sie näher beim Handwerk als bei einer Gabe. Und sie arbeitet mit dem Verstand zusammen, nicht gegen ihn.
Wo Intuition für mich beginnt
Viele denken bei Intuition an ein Gefühl, das plötzlich da ist. Für mich ist das erst der Anfang.
Ricos Wortlaut
Weil für mich ist Intuition nicht etwas, was man einfach spürt und dann fühlt man was, sondern für mich beginnt Intuition dann, wenn man sie klar benennen kann, wenn man sie differenzieren kann und auch, wenn mal was nicht Stimmt, wenn man herausfindet, was hat man nicht erkannt oder was hat sich verändert.
Rico Brunner, Workshop
Ob du sagst, du siehst etwas, oder du spürst es, spielt dabei keine Rolle. Die einen sagen so, die anderen anders. Wichtig ist, was du danach mit dem Eindruck machst.
Zwei Wege, denselben Eindruck zu deuten
Ein Eindruck allein sagt noch nichts. Du kannst ihn mit dem Verstand deuten, indem du darüber nachdenkst. Du kannst ihn auch mit der Intuition deuten. Beides sind Wege zum selben Ziel, und keiner steht über dem anderen.
Wie der Verstand arbeitet, lernst du in der Schule, von klein auf, jedes Mal, wenn du redest. Wie die Intuition arbeitet, lernst du fast nirgends. Darum fühlt sich der eine Weg vertraut an und der andere fremd.
Warum das Bauchgefühl nur die Spitze ist
Das Bauchgefühl kennt jeder: ein kurzes Ja oder Nein, das plötzlich da ist. Ich vergleiche es mit der Spitze eines Eisbergs. Sichtbar ist ein kleiner Teil, der grössere liegt darunter.
Das Bauchgefühl ist eine Meldung ohne Einordnung. Es sagt dir nicht, was es genau heisst, wie zuverlässig es ist und wie du es deuten sollst. Diese Fragen beginnen erst danach. Intuition, wie ich sie verstehe, ist das Ganze: die Meldung und die Fragen dazu.
Warum Intuition auf den Boden gehört
Viele erwarten bei Intuition etwas Geistiges, fast Abgehobenes.
Ricos Wortlaut
Für viele Menschen ist Intuition etwas, wo Etwas Geistiges, was fast noch ein bisschen abgehoben ist. Und aus meiner Erfahrung heraus ist Intuition eigentlich das Gegenteil.
Rico Brunner
Intuition ist etwas sehr Bodenständiges. Bodenständig heisst: Was du spürst, musst du auf den Boden bringen, bevor du es brauchen kannst. Du fasst den feinen Eindruck so, dass sich im Alltag etwas damit anfangen lässt. Und Intuition kann nicht alles herausfinden, was du gern wissen möchtest. Mit dem Verstand geht das auch nicht. Beide können sich irren, darum braucht beides Übung.
Was die Intuition zeigt und was der Verstand daraus macht
Die Intuition kann nicht deuten. Sie macht sichtbar. Der Verstand schaut sich das Sichtbare dann aus verschiedenen Blickwinkeln an und stellt die Fragen dazu. Die Intuition zeigt, was sich aus jedem Blickwinkel ergibt. So entsteht aus einem Eindruck Schritt für Schritt eine Auskunft.
Bei mir war das nicht von Anfang an so. Ich musste lernen, meinem Verstand etwas von seiner Macht abzugeben. Er musste lernen, dass die Intuition manche Dinge besser weiss als er. Das war hart. Umgekehrt braucht die Wahrnehmung den Verstand als Begleiter, sonst ist sie mit vielen Möglichkeiten allein überfordert.
Warum viele glauben, sie hätten keine gute Intuition
Du willst eine Wohnung unbedingt haben. Das Bauchgefühl meldet sich, vielleicht mit einem Ja, vielleicht mit einem Nein. Gleichzeitig hat der Verstand einen klaren Wunsch. Ist die Intuition wenig geübt, schwingt sie sich auf den Verstand ein und bestätigt seinen Wunsch. Es fühlt sich an wie Intuition, ist aber der Wunsch. Klappt es dann nicht, scheint die Intuition versagt zu haben.
Ricos Wortlaut
Und das ist mit dem Grund, wieso so viele Leute meinen, dass sie keine gute Intuition haben. Nicht, weil sie eine schlechte Intuition haben. Sondern weil die Intuition zu wenig geübt ist und aus dem heraus zu wenig differenzieren kann.
Rico Brunner
Einen Menschen ohne Intuition gibt es nicht. Die Frage ist, wie weit du sie zulässt. Eine einfache Übung dazu: Nimm dir Zeit, schliess die Augen, geh zu dem Gefühl, das du hast, und versuch zu unterscheiden, was davon Verstand ist. Wie das Unterscheiden weitergeht, steht unter Unterscheiden lernen.
Viel spüren heisst nicht gut unterscheiden
Im Energiefeld sehe ich zwei Dinge getrennt: wie stark jemandes Intuition angelegt ist und wie gut er sie anwendet. Es gibt Menschen mit einer sehr starken Intuition, die sie kaum nutzen. Und es gibt Menschen mit einer weniger starken, die sie sehr gut anwenden.
Ricos Wortlaut
Und die Kunst ist nicht die Intuition, sondern die Fragen zu stellen. Und darum gibt es Menschen, die nicht so viel spüren, die viel eine bessere Intuition haben als Menschen, die viel spüren und nicht damit umgehen können.
Rico Brunner, Workshop
Der Bereich, mit dem du wahrnimmst, ist klein. Grob geschätzt ist er vielleicht drei Prozent des Energiefelds, und das ist bei jedem Menschen anders. Verarbeitet wird das Wahrgenommene im grossen Rest, in der Stabilität. Wer mehr aufnimmt, als er verarbeiten kann, ist überfordert. Mehr spüren ist darum nicht automatisch besser. Mehr dazu unter Fester Boden statt Sumpf.
Was das für dich heissen kann
Vielleicht steckst du gerade in einer Zeit, in der sehr viel auf dich einströmt. Dann ist es entlastend zu wissen, dass es nicht ums Mehr-Spüren geht, sondern ums Einordnen. Vielleicht willst du deinem Bauchgefühl im Alltag öfter folgen können und es von deinen Wünschen unterscheiden. Oder du willst deine Wahrnehmung weiterentwickeln und genauer fragen lernen. In allen drei Fällen beginnt es an derselben Stelle: bei dir, und mit einer Frage.
Fragen, die oft kommen
- Ist Intuition dasselbe wie Bauchgefühl?
- Nein. Das Bauchgefühl ist eine einzelne Meldung, die Spitze. Intuition, wie ich sie verstehe, ist die Meldung zusammen mit den Fragen, die du dazu stellst.
- Ist Intuition etwas Esoterisches?
- Aus meiner Erfahrung ist sie das Gegenteil: etwas sehr Bodenständiges. Du bringst einen feinen Eindruck auf den Boden, bis du im Alltag etwas damit anfangen kannst.
- Habe ich überhaupt Intuition?
- Ja. Einen Menschen ohne Intuition gibt es nicht. Oft ist sie wenig geübt und schliesst sich dem Wunsch des Verstands an. Dann sieht es so aus, als hättest du keine.
- Kann ich mit Intuition alles herausfinden?
- Nein, so wenig wie mit dem Verstand. Beide können sich irren. Darum prüfst du, was du wahrnimmst, und fragst nach, wenn etwas nicht stimmt. Mehr unter Warum auch gute Wahrnehmung sich irren kann.
- Muss ich mich zwischen Verstand und Intuition entscheiden?
- Nein. Die Intuition zeigt, der Verstand fragt. Du brauchst beide.
Wie du lernst, eine Wahrnehmung zu prüfen, steht unter Unterscheiden lernen. Was im Workshop dazu geübt wird, steht unter Was im Workshop geübt wird.