Start · Die Sitzung verstehen

Wie ich dir sage, was ich sehe

Ich sage dir nie alles auf einmal, was ich in deinem Feld sehe. Ich wähle aus, was du gerade aufnehmen und brauchen kannst, und schaue beim Sprechen, wie es bei dir ankommt.

Die Sitzung verstehen · wie ich mitteile

Was ich in deinem Feld sehe, ist viel mehr, als ich dir sage. Davon wähle ich aus, was du gerade aufnehmen und brauchen kannst.

Das ist keine Geheimniskrämerei und keine Lüge. Es ist die Frage, wie viel auf einmal gut ist und in welcher Reihenfolge.

ein Bruchteilvon dem, was ich sehe, sage ich
7 bis 10 Jahrehabe ich gebraucht, um gut formulieren zu lernen
lieber zu wenigals zu viel, denn Gesagtes bleibt gesagt
dein Massstabgilt, nicht meiner

Warum ich dir nicht einfach alles sage

Diese Frage höre ich oft: «Sagst du mir alles, was du siehst?» Nein. Bevor ich etwas sage, überlege ich, wie es bei dir ankommt.

Ricos Wortlaut

Für mich ist einfach wichtig zu sagen, wenn man jemandem eine Beratung gibt, dann sollte man, bevor man etwas sagt, was man spürt, darüber nachdenken: Wie kommt das bei diesem Menschen an? Und darum muss man auch immer schauen, wie viel Wahrheit erträgt ein Mensch.

Rico Brunner, Workshop

Die volle Wahrheit auf einmal hat nichts mit Lügen zu tun. Sie kann aber überfordern. Und eine Information hilft dir nur, wenn du sie aufnehmen kannst. Wer ohnehin am Anschlag ist, dem nützt es wenig, das auch noch gesagt zu bekommen.

Ricos Wortlaut

Also wenn ich jetzt überfordert bin, nützt es mich nichts, wenn ich weiss oder wenn mir noch jemand sagt, dass ich überfordert bin. Das kann bei jemandem sehr viel Überforderung auslösen.

Rico Brunner, Workshop

Was ich sehe und was ich sage

Für das, was ich sehe, und das, was ich davon sage, brauche ich gern das Bild vom Eisberg. Der grösste Teil liegt unter der Wasserlinie.

Ricos Wortlaut

Das, was ich sehe, von dem wird nur ein Bruchteil kommuniziert.

Rico Brunner, Workshop
was ich dir sageein Bruchteil Wasserlinie was ich in deinemFeld seheviel mehr, als ein Gespräch fasst Bevor ich etwas sage, frage ich mich: Wie kommt es bei dir an?deine Lage, nicht meine Wie viel geht gerade?lieber in Stücken, die du aufnimmst Kannst du es brauchen?sonst bleibt es unter der Linie Während ich sprecheschaue ich, wie du reagierst.Wird es zu viel, höre ich auf.
Wie viel ich auf einmal sage und warum. Die Grössen zeigen ein Verhältnis, keine Messung. Schematisch.

Welche Stücke über die Linie kommen, hängt von dir ab. Einem Kind von zwei Jahren, das nach dem Weihnachtsmann fragt, antworte ich anders als einem von vierzehn. Beides ist ehrlich. Ich schaue, wo das Gegenüber steht.

Wie ich dabei vorgehe

  1. Ich seheIm Feld sehe ich vieles zugleich, auch Dinge, nach denen du nicht gefragt hast.
  2. Ich wähle ausIch überlege, was davon dich jetzt weiterbringt und was dich nur belasten würde.
  3. Ich beginne leichtBin ich unsicher, wie du etwas aufnimmst, beginne ich mit einer leichten Fassung.
  4. Ich schaue zuWährend ich spreche, beobachte ich, wie es bei dir ankommt, auch im Feld.
  5. Ich höre aufWird es zu viel, höre ich auf zu erzählen. Fragst du nach, gehen wir weiter.

Den vierten und fünften Schritt habe ich einmal so beschrieben:

Ricos Wortlaut

und was ich mache, währenddem ich Dinge erzähle, schaue ich immer, wie ist die Reaktion? Kann er gut damit umgehen oder wird er überfordert? Und wenn der überfordert wird, dann höre ich auf, zu erzählen.

Rico Brunner, Workshop

Im Zweifel sage ich lieber zu wenig als zu viel. Was zu wenig war, kann ich nachholen. Was zu viel war, nicht.

Ricos Wortlaut

Weil das gesprochene Wort kann man nicht zurücknehmen.

Rico Brunner, Workshop

Wie ich das gelernt habe

Ich habe das nicht von Anfang an gekonnt. Am Anfang habe ich zu viel gesagt.

Ricos Wortlaut

Als ich angefangen habe, habe ich zum Teil Klienten mit Informationen überfordert. Hat wie keinen Nutzen gehabt im Nachhinein.

Rico Brunner, Workshop

Darum habe ich früh begonnen, jede Sitzung für mich auseinanderzunehmen. Habe ich es gut gemacht? Habe ich verstanden, was los war? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht? Gut sprechen konnte ich schon immer. Bis ich in den Sitzungen aber so formulieren konnte, wie ich es heute tue, hat es sieben bis zehn Jahre gedauert. Nicht, weil es vorher schlecht gewesen wäre, sondern weil ich immer genauer überlegt habe, was ich sage.

Keinen Boden wegziehen

Was nützt eine Auskunft, nach der du nicht mehr weiterweisst? Wenig. Ich will dich nicht in eine Sackgasse stellen und dir nicht den Boden unter den Füssen wegziehen. Darum zeige ich dir, wenn ich etwas Schwieriges anspreche, auch die Wege und Perspektiven, die ich dazu sehe. Welchen du davon gehst, entscheidest du.

Dein Massstab, nicht meiner

Es gibt bei mir keine Ratschläge von der Stange. Was für den einen Menschen stimmt, kann für den nächsten falsch sein.

Ricos Wortlaut

Aber ich gebe den ganzen Tag entgegengesetzte Ratschläge, weil jeder Mensch anders ist.

Rico Brunner, Workshop

Welche Werte gelten, wenn ich dich berate, meine oder deine? Für mich ist die Antwort klar.

Ricos Wortlaut

Aus meiner Sicht gelten die Massstäbe des Gegenübers.

Rico Brunner, Workshop

Sonst würde ich urteilen, und ich könnte nur Menschen beraten, die so sind wie ich. Wenn ich merke, dass ich dir einen Rat gebe, den ich selbst befolgen würde, prüfe ich ihn darum ein zweites Mal. Mein Ziel ist, dich auf deinem Weg zu begleiten und dich nicht auf meinen zu bringen.

Wenn die Frage nicht passt

Manchmal beantworte ich eine Frage nicht so, wie du sie gestellt hast. Das ist keine Ausflucht.

Ricos Wortlaut

Und wenn ich Fragen beantworte in der Sitzung, muss ich oft sagen, ich kann die Frage nicht beantworten, weil sie falsch gestellt ist. Wenn man die Frage falsch stellt, bekommt man falsche Antworten.

Rico Brunner, Workshop

Oft steckt hinter einer solchen Frage der Wunsch, etwas zu kontrollieren, das sich nicht kontrollieren lässt. Dann antworte ich auf das, was du meinst, oder wir suchen zusammen die Frage, die zu deiner Lage passt. Ob du verstanden hast, was ich sage, sehe ich übrigens im Feld.

In jeder Lage dieselbe Sorgfalt

Steckst du in einer schweren Phase, sage ich weniger und achte noch genauer darauf, was du gerade tragen kannst. Willst du halten, was du aufgebaut hast, geht es oft um ein paar klare Punkte, die du an deinem Alltag prüfen kannst. Und willst du dich weiterentwickeln, verträgt das Gespräch manchmal mehr. Dann frag nach, wenn du mehr wissen willst. Ein Mensch kann in verschiedenen Bereichen seines Lebens an verschiedenen Orten stehen, und ich schaue jedes Mal neu.

Fragen, die oft kommen

Sagst du mir alles, was du siehst?
Nein. Ich sage dir, was du gerade aufnehmen und brauchen kannst. Den Rest lasse ich unter der Wasserlinie.
Verschweigst du mir dann etwas Wichtiges?
Ich wähle aus und wähle den Zeitpunkt. Ich sage dir nichts Falsches. Fragst du nach, sage ich dir mehr, wenn ich sehe, dass du es aufnehmen kannst.
Kann ich damit umgehen, wenn du mir sagst, was los ist?
Genau darauf achte ich, bevor und während ich spreche. Wird es zu viel, höre ich auf.
Warum bekommt meine Freundin einen ganz anderen Rat als ich?
Weil ihr Feld ein anderes ist und weil für jede von euch ihr eigener Massstab gilt.
Warum beantwortest du meine Frage nicht direkt?
Manchmal führt eine Frage in eine Richtung, in der jede Antwort falsch wäre. Dann suchen wir zuerst die passende Frage.

Wie es weitergeht

Wie eine Sitzung von Anfang bis Ende abläuft, steht unter So läuft eine Sitzung ab. Was die Sitzung nicht ist und wo sie an ihre Grenze kommt, steht unter Was die Sitzung nicht ist.

Kennung wie-rico-mitteilt · Version 1.0 · 23.10.2026