Nach dem Workshop · Weitergehen
Wenn du selbst mit Menschen arbeiten willst
Ob du es kannst und ob du es aushältst, sind zwei verschiedene Fragen. Warum der eigene Stand vor der Arbeit mit anderen kommt und wie lang der Weg sein kann.
Nach dem Workshop · weitergehen
Wer für andere da sein will, braucht zuerst einen Stand, der ihn selbst trägt.
Manche fragen sich nach einem Workshop, ob sie selbst mit Menschen arbeiten könnten. Meine Antwort beginnt mit zwei Fragen, die ich bewusst auseinanderhalte.
Zwei Fragen, die ich trenne
In einem Workshop hat mich eine Teilnehmerin gefragt, ob sie lernen soll, mit Menschen zu arbeiten, und in welche Richtung. Ich habe ihr Energiefeld vor der Gruppe angeschaut und laut gedacht, damit alle sehen, welche Fragen ich mir dabei stelle. Vorher habe ich ihr gesagt: Wenn es dir zu viel wird, sagst du einfach Stopp.
Zuerst habe ich zwei Fragen getrennt. Hat sie die Fähigkeit, anderen Menschen zu helfen? Ja, ganz klar. Hat sie im Moment auch die Konstitution, das auszuhalten? Noch nicht. Wenn sie es will, muss sie zuerst selbst einen festeren Stand finden.
Fähigkeit
Kannst du es? Nimmst du wahr, kannst du unterscheiden und die richtigen Fragen stellen?
Konstitution
Hältst du es aus? Bleibst du bei dir, wenn du für andere da bist, ohne dich zu verausgaben?
Für die Arbeit mit anderen stelle ich die zweite Frage vor die erste.
Die Fragen, die ich mir dabei stelle
Auf die Frage nach dem Nutzen habe ich ihr geantwortet:
Ricos Wortlaut
Was ist der Vorteil für sie, wenn sie Menschen hilft? Sie lernt sich selber besser kennen. Sie kann ihre Kompetenz ausleben.
Rico Brunner, Workshop
Für den Weg habe ich ihr zwei Möglichkeiten beschrieben: Techniken lernen, oder herausfinden, was ihre eigene Stärke dabei ist. Bei ihr habe ich den zweiten Weg gesehen: ein wenig lernen und vor allem auf dem aufbauen, was sie schon mitbringt. Anfangen sollte sie langsam, mit wenigen Menschen, und nur langsam mehr werden.
Dazu gehört etwas, das oft vergessen wird: Geduld mit anderen. Menschen machen dieselben Fehler immer wieder. Wer mit ihnen arbeitet, gibt ihnen Zeit und setzt sie nicht unter Druck, so wie er sich selbst nicht unter Druck setzen sollte.
Wie lange es bei ihr dauern könnte
Am Schluss habe ich für sie vorgerechnet. Zuerst etwa ein, zwei Jahre für den eigenen Stand. Dann noch etwa drei, vier Jahre, um den Umgang mit Klientinnen und Klienten zu lernen. Zusammen sechs, sieben Jahre bis zu einem beginnenden Alltag in einer eigenen Praxis.
Bei dir kann es kürzer oder länger sein. Es ist wie bei einem Marathon. Wer schon viel Kondition mitbringt, bereitet sich einen Sommer lang vor. Wer wenig hat, braucht Jahre. Die Strecke ist für beide dieselbe.
Ich selbst habe zehn Jahre gebraucht, bis ich meine Wahrnehmung im Griff hatte, mit mindestens acht Stunden am Tag. Die Zahlen widersprechen sich nicht. Meine zehn Jahre galten der Wahrnehmung. Ihre sechs, sieben Jahre galten ihrem Stand und dem Umgang mit anderen Menschen.
Warum der eigene Stand zuerst kommt
Bei der Feuerwehr gilt: Du hilfst nur, wenn du dabei selbst nicht in Gefahr gerätst. Für die Arbeit mit Menschen gilt dasselbe.
Ricos Wortlaut
Und Menschen zu helfen heisst, dass man selber dabei geschützt bleibt. Dass man selber bei der Hilfe keinen Schaden nimmt.
Rico Brunner, Workshop
In meiner Praxis habe ich viele Menschen gesehen, die sich mit ihrer eigenen Wahrnehmung geschadet haben. Sie haben fremde Energien aufgenommen und sich verausgabt. Sie haben für sich und für andere gespürt, ohne zu unterscheiden, und dabei vieles verzerrt. Darum frage ich zuerst nach dem Stand und erst danach nach der Fähigkeit.
Wer mit anderen arbeitet, achtet vor allem auf eines: dass er selbst dabei stärker wird und nicht schwächer.
Ich habe selbst lange beobachtet, bevor ich gearbeitet habe. Gearbeitet habe ich immer erst dort, wo ich verstanden hatte, was ich sehe.
Woran du deine Grenze erkennst
Eine Grenze beginnt dort, wo du unsicher wirst, wie du jemandem helfen sollst. Für die Arbeit mit Energien gilt eine einfache Regel: Fang nichts an, was du nicht zu Ende bringen kannst.
Erfahrung allein schützt dabei nicht. Wer dreissig Jahre arbeitet und seine Grenzen nicht sieht, ist für mich so unvorsichtig wie jemand am ersten Tag. Und wer das Gefühl hat, sich schützen zu müssen, sollte die Finger davon lassen. Mehr dazu unter Die eigene Grenze sehen.
Nicht jeder will diesen Weg
Nicht alle, die in einen Workshop kommen, wollen später mit anderen arbeiten. Wenn du gerade eine schwere Zeit hast, ist diese Seite kein Auftrag an dich. Der eigene Stand ist auch für dich der erste Schritt, und er genügt für sich allein. Wenn du deinen Boden halten willst, gilt dieselbe Regel im Alltag: für andere da sein, ohne selbst Schaden zu nehmen. Wenn du weiterwillst, steht hier, was dazugehört, und dass es Jahre braucht.
Fragen, die oft kommen
- Kann ich nach dem Workshop mit anderen arbeiten?
- Du lernst im Workshop die Basis. Ob du mit anderen arbeiten kannst, hängt vor allem daran, ob du deine Grenzen siehst und ob du dabei selbst keinen Schaden nimmst.
- Woher weiss ich, ob ich die Konstitution dafür habe?
- Diese Frage kann keine Dokumentation für dich beantworten. Ein Anhaltspunkt: Wirst du bei der Arbeit mit anderen stärker oder schwächer?
- Soll ich zuerst Techniken lernen?
- Das ist ein möglicher Weg. Der andere ist, herauszufinden, was deine eigene Stärke ist, und darauf aufzubauen. Welcher zu dir passt, ist bei jedem anders.
- Muss ich mich schützen, wenn ich mit anderen arbeite?
- Ein Schutz kostet Kraft aus dem eigenen System. Wer das Gefühl hat, sich schützen zu müssen, ist schon zu weit gegangen. Mehr unter Die eigene Grenze sehen.
- Wie viel Wahrnehmung brauche ich dafür?
- Entscheidend sind die Fragen, die du stellst. Mehr unter Ein Handwerk, keine Gabe.
Wie es weitergeht
Worauf der eigene Stand gebaut ist, steht unter Fester Boden statt Sumpf. Wie du nach dem Workshop weiterübst, steht unter Zu Hause weiterüben.